Montag, 10. Juni 2013

Eugen Ruge - In Zeiten des abnehmenden Lichts

Mit Familiengeschichten tue ich mich in der Regel schwer; vielleicht weil mir jeweils das Geschehen zu nah oder zu weit weg ist oder mir als zu gewöhnlich erscheint – ich weiss es nicht genau.
Was ich aber weiss, ist, dass es literarische Familiengeschichten gibt, die ich mit grosser Begeisterung gelesen habe. Natürlich frage ich mich, weshalb? Als Antwort fällt mir ein Merkmal ein, das diese Beispiele allesamt in besonderer Weise auszeichnet: Der Stil, die Sprache der Erzählung. Als Beispiele seien genannt:
  • John Updikes „Rabbit-Romane“
  • Jonathan Franzen, Die Korrekturen
  • Richard Powers, Der Klang der Zeit
  • Uwe Tellkamp, Der Turm
Und jetzt gesellt sich dazu:
  • Eugen Ruge, In Zeiten des abnehmenden Lichts (Deutscher Buchpreis 2011).
Was mir ausserordentlich zusagt: der wunderbar fliessende und dem Sujet angepasste Stil, die fast schon zärtlich zu nennende Behutsamkeit, mit der Ruge die Personen in verschiedenen Abschnitten ihres Lebens zeichnet (zwischen 1952 und 2001) und die „Dramaturgie“, mit der der Autor die Geschichte inszeniert: wir hüpfen sozusagen in der Zeit herum und folgen nicht einem chronologischen Erzählstrang. Das alles macht, dass mir die Personen und ihr Lebenskontext lieb werden, dass ich ein Verhältnis bekomme zu der mir fremden DDR, dass ich die Wende von innen her nacherleben kann und eine Vorstellung davon erhalte, was es bedeuten konnte für einen überzeugten Kommunisten und Sozialisten der DDR, wenn das ihm Halt gebende System implodiert und das „Drüben“ plötzlich zur neuen Heimat werden muss.
Um es mit einem Wort des Kritikers Andreas Isenschmid zu sagen: „Meisterhaft!“

Ein paar Hinweise zum Autor finden sich hier.
Und eine sehr reichhaltige Vorstellung des Romans erhält man hier.

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